Für viele sind dieses Jahr die Sommerferien im weiteren Ausland keine Option und wer nicht in der Schweiz Ferien machen möchte, liebäugelt mit den sonnenverwöhnten Nachbarsländern. Vorallem die Provence ist Sehnsuchtsort vieler und innert wenigen Stunden erreichbar. Weisse Felsen, azurblaues Meer, pinkfarbene Flamingos, schwarze Stiere und dazwischen violette Lavendelfelder – ein Fest für die Sinne! An jeder Ecke locken reife Früchte, duftende Kräuter, köstliche Weine und frische Meeresfrüchte zum geniessen und schwelgen. Im krassen Gegensatz zu den lebendigen Städten ist das Hinterland ruhig und friedlich und lädt mit seinen unzähligen Nationalparks zum Erkunden ein.
Wir haben kurz nach der Öffnung der Grenzen eine abwechslungsreiche Rundreise durch die drei Regionen Alpes-de-Haute-Provence, Luberon und Cote D’Azur angetreten und uns über einsame Strände, herzliche Gastgeber und leere Gassen gefreut und so eine Provence erlebt, wie man sie das letzte Mal wohl vor 30 Jahren vorfand, bevor die grossen Touristenschwärme kamen. Begleiten Sie uns auf eine kleine Rundreise durch die abwechslungsreichen Landschaften der Provence.
Im Norden liegt das Departement Drome Provencale dass mit seinen Olivenhainen, endlosen Weinbergen und Lavendelfeldern das Tor zur Provence ist. Knapp 6 Stunden
von der genfer Grenze entfernt ist das mediterrane Klima bereits klar spürbar und somit die erste Stadtion auf unserer Rundreise. Wunderschöne alte Schlösser, üppige Weinberge und Mandelbäume aus denen der berühmte weisse Nougat hergestellt wird säumen die Landschaft. Auf dem weg nach Sault passieren wir immerwieder malerische Landschaften, die einem klar machen, warum so viele grosse Künstler ihr
Herz an diese wunderschöne Gegend verlohren haben. Sault ist ein ein hübsches kleines Städtchen, dass als eigendliches Zentrum des Lavendels zählt. Doch es hat mehr zu bieten mit seinen hübschen Gässschen, herrlicher Hanglage mit Ausblick über die ganze Region und einem vielseitigen Wochenmarkt lädt es zum Schlendern, Geniessen und Verweilen ein.
Sicher kennen Sie unzählige wunderschöne Bilder des Zisterzien Klosters von Sénanque, dies ist eines der am meisten fotografierten Motive der Provence. Die Mönche widmen sich noch heute dem Anbau und der Verwertung des rundherum wachsenden blauen Goldes der Provence – dem Lavendel. Unterdessen gibt es sogar einen kleinen Laden, in dem nebst Seifen und Kosmetik aus eigener Produktion auch Liköre und vieles andere verkauft werden.
Doch neben all dem Rummel ist noch immer die Ruhe und der Frieden zu spüren,
den dieser wundervolle Ort ausmacht.
Ganz in der Nähe liegt das Felsenstädchen Gordes, dass komplett an einen Hang gebaut wurde und bietet eine grandiose Aussicht auf die noch immer intakte terrassenartige Altstadt. In unzähligen verwinkelten Gässschen findet man aller Art Manifakturen, Confiserien und Restaurants die einem den Aufenthalt versüssen. Es zählt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs und im mittig liegenden Renaissenceschloss werden regelmässig Kunstaustellungen durchgefühlt,
die es noch sehenswürdiger machen.
Hoteltipp:
Das Chateau de Rochegude en Provence ist ein hübsches altes Schloss aus dem 12. Jahrhundert, welches sanft renoviert wurde mit viel Liebe zum Detail. Der angrenzende Schlosspark ist bewohnt von Rehen und hat sogar einen Pool mitten in den Pinienwäldern. Tolle Ausgangslage für Ausflüge zu den grossen Weingütern der Region.
Chateau de Rochegude en
Provence, Place Chateau,
26790, Rochegude-Drome

Unsere zweite Etappe führt uns weiter südlich in den Luberon, der nebst seinen köstlichen Weinen auch für seine Ockerfelsen bekannt ist. Roussillion zählt noch heute von seiner Ockerindustrie, auch wenn die letzte grosse Fabrik bereits vor über 50 Jahren geschlossen wurde. Doch die prächtigen Farben des Steinbruchs können besichtigt und bestaunt werden, das dazugehörige Museum erzählt für alle Wissbegierigen noch mehr aus deren Vergangenheit.

Aber natürlich steht die Gegend vorallem für die entlosen Lavendelfelder die in der Zeit von Mitte Juni bis ungefähr mitte August in voller Blüte stehen. Bedenken Sie für Ihren Besuch, dass die höher gelegenen Gebiete eher etwas später in vollkommener Blüte stehen. Die meisten Felder werden dann spätestens Mitte August abgeerntet und gleichen dann eher trostlosen brachen Feldern. Während unseres Besuchs waren wir
fast noch etwas früh dran für die üppge Hochblüte, doch die Farben und der Duft
so wie das beschäftigte Summen der Bienen hat uns schon jetzt verzaubert.
Was viele nicht wissen, ist dass der echte Lavendel nur oberhalb von 900müM richtig gedeihen kann. Sämtliche Pflanzen in tieferen Gebieten sind Züchtungen die streng genommen kein Lavendel sondern Lavendin sind. Eine Züchtung aus dem echten Lavendel und Breitblättigem Lavendel. Bedenken Sie das also wenn Sie eine Pflanze als Mitbringsel nach Hause bringen möchten. Ansonsten finden Sie überall tolle Andenken, von Lavendelhonig über Duftsäckchen bis zu Seifen und Cremes ist alles zu haben.
Hoteltipp:
Die Domain de Mejeans ist einehemaliges Weingut, dass mit viel Herzblut als Familienbetrieb geführt wird. Die knapp 10 Gästezimmer tragen allesamt Namen von
typisch französischen Gebäckstücken und sind individuell eingerichtet. Hier hilft die ganze Familie mit, die Mutter ist Gastgeberin, der Ehemann ist der Gärtner des riesigen gepflegten Garten (mit Ententeich), der Schwiegersohn kocht und die
Tochter steht an der Rezeption. Das Anwesen liegt in mitten von Weinbergen und grenzt an das Naturschutzgebiet – eine herrliche Idylle.
Route départementale –
71B, 13980, Alleins

Weiter geht unsere Reise an die Küste. Noch immer als Geheimtipp zählt das Städtchen Cassis das direkt am azurblauen Meer liegt. Schon auf der Küstenstrasse kommen Feriengefühlt auf wenn der Blick auf das in die Felsen eingebettete Küstenort fällt. Der
quirrlige Hafen, die farbenfrohen Häuserfassaden und gemütlich schlendernden Touisten und natürlich der Blick auf das glitzernde Meer lassen jedes Herz höher schlagen.
Wer schon mal hier ist sollte unbedingt auch die Route de Crètes abfahren, eine
Küstenstrasse die von Cassis nach La Ciotat führt, gesäumt von spektakulären Aussichten auf Cassis, die Calanques und das Meer.

Oberhalb von Nizza liegt das verschlafene Städtchen Tourrettes-sur-Loup das als letztes Anbaugebiet von Veilchen zählt. Einst von Veilchenfeldern umgeben, wird heute nur noch vereinzelt auf kleinen Plantagen angepflanzt. Was noch immer viel Handarbeit erfordet hat natürlich seinen Preis.
Nur noch namhafte und hochklassige Parfumhersteller verwenden das wertvolle Öl
für Ihre Düfte und halten so die jahrhunderte alte Tradition am Leben. Doch das Städtchen ist nicht nur für Veilchenfans ein Geheimtipp, denn die verschlungen Gässschen, kleinen Geschäfte und gemütlichen Restaurants laden zum Spazieren und entdecken ein. Haben Sie schon einmal Lavendel-, Rosen-, Orangenblüten- oder Veilcheneis gekostet? Nicht- dann ist das Ihre Chance, denn die kleine Eisdiele mitten im Dorf bietet die Quahl der Wahl.
Natürlich geht für einen Parfümliebhaber kein Weg an Grasse vorbei, nicht erst seit
dem Bestseller von Patrick Süsskind «Das Parfüm» ist dieses Städchen jedem geläufig. Ist es doch die Parfumhauptstadt überhaubt. Im Sommer leider oft hoffnungsvoll
überlaufen konnten wir auf Grund der wenigen anderen Touristen das hübsche Städtchen vollends geniessen. Die drei grossen Parfümfabriken Galimard, Fragonard und Molinard haben eigene kleine Museen erichtet in der sie ihre Firmengeschichte fantasievoll vorstellen. Erklärt wird auch wie die Destillation von Düften erklärt und altertümliche Verfahren vorgestellt. Ursprünglich war Grasse für seine Lederhandschuhe bekannt, doch da diese den wohlhabenden Herrschaften etwas zu streng gerochen haben, wurden diese parfümiert. Nach und nach hat sich daraus ein eigener Wirtschaftzweig entwickelt, der bis heute anhält. Rund um die Stadt wachsen Blumen und Kräuter die von einem speziellen Microklima profitieren.
Bei Galimard ist es sogar möglich sein ganz persönliches Parfüm herzustellen, in einem zweistünden Kurs erfährt man allerlei Wissenswertes über deren Herstellung und kann zu Ende des Kurses mit seinem ganz persönlichen Duft nach Hause gehen. Der Clou daran, sämtliche Rezepte werden gespeichert, so dass man das Parfüm bequem von zu Hause aus nachbestellen kann.

Als passionierter Kriminalromanleser ist einem das Örtchen Le Lavandou nicht
umbekannt. Zahlreiche Morde in und um Le Lavandou musste Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter lösen und sich danach auf einem der zahlreichen Boule Plätze erholen.
Herrlich erzählen die Romane von Remy Eyssen vom Leben im ehemals so malerischen Fischerdörfchen Le Lavandou. Heute ist es längst zu einem gepflegten Badeort mit einem grossen Hafen mutiert, dass mit seinen 12 Stränden für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Dabei fährt eine kleines Bähnchen auf den Spuren des ehemaligen Belle Epoche Zuges und befördert so die Sonnenhungrigen zu den abgelegensten Ecken des eleganten Badeortes.

Als letzes Etappenziel steht das mondäne Nice auf unserem Reiseplan. Wir promenieren wir vor 100 Jahren auf der Promenade des Anglaise und geniessen den Blick auf das offene Meer. Zu unseren Füssen liegt der grosse Stadtstrand der mit seinen hübschen Badeanstalten den mediterranen Flair hochleben lässt. Die gepflegte Stadt hat aber noch so viel mehr zu bieten, tägliche Blumenmärkte, die farbenfrohe Altstadt, duzende Museen und köstliche Restaurants, Bistros und Cafés an jeder Ecke. Haben Sie gewusst, dass man von November bis April per Schneebus in kleiner Orte wie Valberg, Auron oder auch Isola 2000 skifahren kann? Wer dann den letzten Bus nimmt, kann noch immer am Meer den Sonnenuntergang geniessen, unglaublich oder?!